Herbstgedanken zur Politik im Kleinen: Simon – unser Junger auf dem Weg in den Stadtrat

Liebe Freundinnen und Freude,
es stimmt schon, dass ich euch in den letzten Monaten vernachlässigt habe, aber das Leben muss auch gelebt werden. Und es gibt sicherlich auch eine lebenswerte Existenz ohne Politik.
Wahrscheinlich wisst ihr es ja schon, dass ich mich aus der aktiven Politik zurückziehen werde; ob ich aber diese Seite hier weiter betreiben werde, ist noch nicht ganz sicher, zumal ich ja euch habe, meine kleine, aber treue Lesergemeinschaft. Vielleicht schafft es Simon ja, das Ganze hier mit diversen Social-Media-Konten zu verknüpfen; damit würde ich auch in der modernen Zeit ankommen …
Aber wer ist Simon? Es ist ein junger Mann, der in meiner Nachbarschaft wohnt und in Bayreuth studiert. Und zwar das Beste, was man studieren kann, nämlich Geschichte. Denn wenn man die Geschichtswissenschaft ernst nimmt, öffnet man sich eine große Tür für ein großes Leben in der Gegenwart. Marc Bloch, einer der bedeutendsten französischen Historiker des 20. Jahrhunderts, hat einen Gedanken formuliert, der mich bis heute begleitet:

Unverständnis der Gegenwart gegenüber entsteht zwangsläufig aus der Unkenntnis der Vergangenheit. Doch bemüht man sich nicht minder vergeblich um das Verständnis der Vergangenheit, wenn man von der Gegenwart nichts weiß. – Genial!

Simon Dobmeyer

Das heißt, dass ein guter Historiker sich immer auch in der eigenen Gegenwart gut auskennen muss, um zu beurteilen, was sich ändert oder gleichbleibt; ohne das Wissen über die eigene Gegenwart, wird man die Vergangenheit nie richtig einordnen können.  Aber ich sehe schon, dass ich wieder etwas abschweife …

Nun, ich glaube, dass Simon Dobmeyer sein Sache gut machen wird. Er hat Schwung, ist fleißig, ist offen, neugierig und bringt uns Alte mit seinen Ideen immer wieder ins Schwitzen. Er schubst uns in die Welt der neuen Medien und öffnet uns die Augen für das, was die jungen Leute beschäftigt. Und woher weiß er, was in unserem Hirschau Stadtgespräch ist? Er arbeitet jeden Samstag dort, wo Hirschaus Herz das gelbe Blut pumpt: an der Rampe der Schlossbrauerei. Hier urteilt man über Entscheidungen; hier werden Sorgen und Befürchtungen geäußert. Hier ist der Marktplatz der Meinungen. Hier arbeitet Simon.

Wenn alles so läuft, wie wir Alten uns das so vorstellen, wird er auf unserer Liste den ersten Platz bekommen und wohl unser nächster Stadtrat werden. Das wäre auch deswegen schön, weil dieses Gremium dringend jünger werden muss. Jünger und lauter. Das wäre dringend nötig, da ich in den letzten Jahren die Erfahrung machte, dass die Jungen im Stadtrat zwar da sind, aber, so richtig betrachtet, auch nicht mehr so ganz jung sind und die Interessen der jungen Generation nicht so wirklich im Blick haben. Mit Simon sollte das anders werden.

Er wird sicherlich noch vieles über die Abläufe und Inhalte im Stadtrat lernen müssen, aber ich hoffe, dass ihn auch die alten Haudegen der anderen Parteien etwas an die Hand nehmen; wir Alt-Grünen machen das ja sowieso.

Ich hoffe, dass der neue Stadtrat dort ansetzt, wo er sich jetzt nach langen Jahren der Konfrontation zusammengerauft hat: in einem sich langsam entwickelnden lösungs- und konsensorientierten Miteinander; in einem Miteinander, das vielleicht noch mehr nach außen kommunizieren muss, dass keiner die Weisheit mit den Löffeln gefressen hat, weil alle Stadträte ihr Mandat nur im Ehrenamt ausüben und keine Experten sind, weil sie aus unsere Mitte kommen. Und es gibt ja auch noch eine ein Leben ohne Politik. Ich hoffe, dass es der neue Stadtrat schafft, nach außen zu kommunizieren, dass es allen Beteiligten um das Wohl der Stadt Hirschau geht und nicht um Ehre und Eitelkeit. Diese zu befriedigen – das habe ich gelernt – gibt es wahrlich einfachere Weg als die Kommunalpolitik.
Christian

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