
Ein Neuling erzählt:
Es war meine erste Sitzung, die konstituierende im Josefshaus. Alles war, in erste Linie bedingt durch Corona, sehr seltsam: Die Zuschauer auf Einzelstühlen im hinteren Teil des Raumes mit Masken; vorne an Einzeltischchen die Stadträte ohne Masken. Man wird sich daran erinnern!
Und die Sitzung selbst? Ich will es mal „interessant“ nennen. Anfänglich war ich etwas verstört, weil alles sehr formal vor sich ging: Fast jeder Redebeitrag schien duchformuliert, es roch nach vielen geheimen und über die Jahre eingerübte Ritualen; die Sitzuordnung nach Fraktionen getrennt; nicht ganz logisch, immerhin die CSU rechts, die SPD in der Mitte und die Freien links; ich von vorne betrachtet links außen (Dass ich so etwas noch erleben darf!)
Und was mir auffiel: Man war sehr distanziert. Ich hatte nie das Gefühl, dass es um einen Meinungsaustausch ging, an dessen Ende vielleicht eine bessere Lösung steht, als man es sich vorher selbst ausgedacht hatte. Nein, es war vielmehr ein Meinungsaustausch, bei dem man Meinungen austauschte, aber möglichst bei seinen Meinungen blieb, und dann wurde abgestimmt. Aber vielleicht habe ich das ja auch nicht ganz richtig wahrgenommen, weil das vieles in dem großen Saal unterging. Wobei es nicht viele waren, die sich am Diskurs beteiligten. Es gab im Wesentlichen fünf Hauptredner. Das mag daran liegen, dass acht von zwanzig Stadträten neu sind und noch nicht so richtig angekommen sind. Vielleicht ändert sich das ja noch.
Und ich selbst? Ich habe versucht, mich nicht zu verstecken. An sich habe ich ja eine gute Position, weil ich niemandem außer meinen Wählern verpflichtet und ein Neuer bin und die Mehrheitsverhältnisse so sind, dass die Opposition nicht viel Einfluss haben wird, es sei denn man kommt ins Gespräch miteinander und zu einem konstruktiven Meinungsaustausch. Und daran werde ich arbeiten. Ich habe ja genügend Zeit.
Und was ich mir wünsche? Vielleicht dass das Ganze etwas unverkrampfter und lockerer wird; vielleicht kommen wir ja so weit, dass wirklich alle zwanzig Mitglieder des Stadtrats ihr Wissen und ihre Kompetenzen so einbringen, dass nichts verpufft, denn zwanzig Personen sind nicht viel. Aber wenn diese zwanzig dasselbe Ziel verforgen …
Bis bald, liebe Leser. Und bleibt gesund!
Christian Feja, grüner Stadtrat in Hirschau









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