Der Jugendbeauftragte als Anlass der Empörung

Ich gebe zu, dass ich den jungen Mann nicht kenne und jetzt erst recherchiert habe: Er heißt Andreas Losch, ist, wie man auf der Website der Freien Wähler erfährt. 21 Jahre alt, also jünger als all meine Kinder, er ist Industriemechaniker, fährt gern Downhill, ist bei der Freiwilligen Feuerwehr in Weiher, die für ihre hervorragende Traditionspflege bekannt ist, will sich für die Belange der Jugend einsetzen und kandidierte auf Listenplatz 15 der Freien Wähler für den Stadtrat. Und jetzt ist er auch noch Jugendbeauftragter der Stadt Hirschau. Was unterscheidet ihn von vielen seiner Altersgenossen? Er engagiert sich politisch und übernimmt das Ehrenamt des Jugendbeauftragten. Und bevor er überhaupt etwas getan hat, fliegt ihm die Empörung um die Ohren, dass es nicht mehr schöner geht.

Erster Anlass der Empörung:

Die SPD-Fraktion im Stadtrat kennt ihn nicht. Sie möchte, dass er sich vorstellt. An sich ja keine schlechte Idee, aber hätte man das nicht schon ihm Vorfeld klären können? Hätte der SPD-Vertreter bei der Runde, in der die Stadtratssitzung vorbereitet wurde, nicht die Bitte außern können, dass der junge Mann erscheint. Er wäre wohl erschienen, hätte sich vorgestellt. Und alles wäre gut gewesen. Und es wäre anständig und fair gewesen. Stattdessen wird die Flamme der Empörung hochgedreht – und so mancher Außenstehende, vom Stadtrat der Grünen befragt, fragte sich: Was soll denn das wieder?

Unter uns gesagt: Ich kenne die meisten Beauftragten noch nicht, aber ich vertraue darauf, dass meine Stadtratkollegen nicht irgendwelche unmöglichen Gestalten vorgeschlagen haben. Ohne diese Vertrauen geht es einfach nicht.

Zweiter Anlass der Empörung

Ich weiß nicht, wer es war, aber es muss jemand von den Freien Wählern auf deren Website ergänzt haben, dass Andreas Losch jetzt Jugendbeauftragter der Stadt Hirschau sei. Wieder erhebt die SPD in Person des Franktionsvorsitzenden Josef Birner die Stimme der Empörung, weil er das als einseitige Werbung für eine Partei sieht, die dem Neutralitätsgebot entgegensteht, das für städtische Beauftragte gilt. Natürlich hat Herr Birner recht. Aber war das wirklich der einzige und vernünftige Weg? Wäre es nicht einfacher gewesen, den neuen Jugendbeauftragen anzurufen und ihm zu erklären, dass er da einen Fehler gemacht hat. Auch das wäre anständig und fair gewesen. Kein großes Tamtam; lösungsorientiert. Vielleicht hatte man ja auch die Fraktionsvorsitzende anrufen können. Ein kleiner Fehler elegant bereinigt. Stattdessen: großes Tamtam.

Vielleicht sollte Andreas Losch …

… das Amt einfach wieder niederlegen und sagen: “Macht euren Krempel doch alleine!” Ich könnte es verstehen, wenn einem schon ganz am Anfang ein solcher Wind des Misstrauens entgegenbläst. Wenn ich als junger Mann ein solches Amt übernehme, will ich doch, dass der Stadtrat mir vertraut. Ich will auch als 21jähiger, dass ich Anerkennung für das bekomme, was ich tue. Und war bekommt der junge Kerl? – Misstrauen, Bevormundung von Stadträten, die, ich will es vorsichtig formulieren, für sich eine gewisse Deutungshoheit in Fragen der Politik und Moral beanspruchen. Das hat er nicht verdient. Wirklich nicht.

Christian Feja, Stadtrat von Bündnis 90/die Grünen

1 Kommentar

  1. Josef Birner

    Lieber Christian, mit großer Verwunderung lese ich diesen Bericht. Du sprichts darüber was deiner Meinung nach anständig und fair gewesen wäre und behauptest von anderen sie wollten “für sich eine gewisse Deutungshoheit in Fragen der Politik und Moral beanspruchen”. Meinst du mit diesem Hinweis etwa auch dich selbst ? Du hast schlecht recherchiert und schreibst hier Halbwahrheiten.
    Ich würde mich darüber freuen wenn du das richtig stellen würdest.
    Liebe Grüße
    Josef Birner

    Anbei die unglaubliche “Empörung” und die Antwort der Freien Wähler auf meinen Hinweis hin:

    Am 21.07.2020 um 14:45 schrieb Josef Birner:
    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Falk,

    in der letzten Stadtratsitzung wurde Herr Andreas Losch als Jugendbeauftragter der Stadt Hirschau gewählt. Hierbei handelt es sich um ein parteiunabhängiges und neutrales Amt für die Stadt Hirschau.
    Anscheinend ist dies Herrn Losch noch nicht bekannt.

    Eine Werbung für einseitige Parteizwecke mit diesem Amt, ist unserer Meinung nach für die städtische Jugendarbeit weder sinnvoll, noch zielgerichtet und hat zu unterbleiben.

    Bitte nehmen sie umgehend Kontakt zu Herrn Losch auf und drängen sie auf Neutralität.

    Wir erwarten hierzu in der nächsten Stadtratsitzung eine Information über den aktuellen Sachstand.

    Als Anhang habe ich eine Veröffentlichung aus den sozialen Medien beigefügt.

    MfG
    Josef Birner
    Fraktionssprecher SPD-Stadtratsfraktion
    Im Anhang war ein auf Facebook veröffentlichtes Foto von Herrn Losch mit Freie Wähler Hintergrund aus dem FW-Wahlkampfflyer.

    Die Antwort der Freien Wähler hierzu:

    Servus Josef,

    danke für die Info. Aber du hättest sie auch direkt an mich senden können. Ich wußte überhaupt nichts davon. Wir als Freie Wähler haben und hatten nie die Absicht das Ehrenamt des Jugendbeauftragten für Parteipolitik zu verwenden. Auch einseitige Parteiwerbung wollen wir nicht mit diesem Amt verknüpfen. Deshalb wurde auch umgehend das Foto abgeändert. Ist nun alles in Ordnung?

    Meine Antwort:
    Am 22.07.2020 um 19:29 schrieb Josef Birner:
    Servus Johanna,
    danke für deine Mail.

    Weder meine Fraktion noch ich selbst wollen den Freien Wählern irgendetwas unterstellen, da wir ja auch nicht wissen, wer für diese Art der Veröffentlichung die Verantwortung trägt. So wie es veröffentlicht wurde ging das jedenfalls überhaupt nicht, egal wer das in welcher Absicht oder einfach nur aus Unwissenheit gemacht hat.
    Ich denke wir brauchen hier kein “großes Fass” aufmachen, das war auch nicht unsere Absicht. Aber bei so etwas ist der Bgm. gefordert das zu klären, damit so etwas nicht mehr vorkommt. Mein persönlicher Ratschlag an den jungen Mann wäre eh gewesen, sich erst einmal über die Aufgabe (und die ist gewaltig wenn man sie richtig macht- google mal beim Landkreis was der alles für Aufgaben hätte !!) und seine persönlichen Ziele zu unterhalten – aber das war ja vor allem von FW-Seite nicht gewollt – schade !

    Beim letzten Mal sind vom Landkreis alle Jugendbeauftragten zu einer Veranstaltung eingeladen worden und über ihre Aufgaben informiert worden- keine Ahnung ob der Tobias damals anwesend war. Kleiner Auszug über die Aufgaben:
    Es geht um die Gestaltung guter kinder-, jugend- und familienfreundlicher Rahmenbedingungen für das Aufwachsen und Heranwachsen unserer jungen Generation. Es geht um die Bereitstellung einer lebenswerten Umwelt für Kinder und Jugendliche in ihren Heimatgemeinden und das Verwirklichen von Zukunftschancen. Es geht aber auch um die Unterstützung der Eltern und der anderen beteiligten Akteure und Institutionen, damit eben jene Ziele umgesetzt werden können.

    In wieweit das bisher in Hirschau gemacht wurde überlasse ich die Bewertung jedem selbst.

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